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Psychologen begannen diesen Effekt nach einem aufsehenerregenden Fall von 1964 in New York zu erforschen, bei dem sich ein Verbrechen Berichten zufolge ereignete, während viele Zeugen in der Nähe waren.
Der Bystander-Effekt beschreibt den Befund, dass eine einzelne Person jemandem in Not oft weniger wahrscheinlich hilft, wenn andere Menschen anwesend sind, als wenn sie allein ist. Die gängige Erklärung dafür ist die Verantwortungsdiffusion: Jeder Umstehende geht davon aus, dass jemand anders eingreifen oder bereits Hilfe gerufen hat, was paradoxerweise dazu führt, dass eine größere Menschenmenge seltener handelt.
Die Vorstellung, Menschenmengen träfen klügere Entscheidungen, oder Menschen kopierten schlicht die Kleidung Fremder, beschreiben völlig andere Phänomene, die nichts mit dem Befund zum Hilfeverhalten zu tun haben, und keines von beiden erfasst die zentrale Dynamik der auf Zuschauer verteilten Verantwortung.
Das Wissen um den Bystander-Effekt hat praktische Bedeutung: Manche Sicherheitstrainings lehren mittlerweile, ihm entgegenzuwirken, indem man direkt auf eine bestimmte Person zeigt und ihr eine konkrete Aufgabe zuweist, etwa 'Sie, rufen Sie Hilfe' – das durchbricht die Verantwortungsdiffusion und erhöht die Wahrscheinlichkeit deutlich, dass tatsächlich jemand reagiert.
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